8.30 Uhr / Besinnung und Gebet

Einstieg in Grossgruppenveranstaltung «Feu sacré», Hanro-Areal Liestal
5. November 2016, 08.30h

Besinnung und Gebet (Text als pdf)


Plötzlich
kam in dem Raum von oben runter ein Wind auf,

alle hörten ein ganz seltsames Rauschen.

Es war fast so,

als hätte jemand gerade einen großen Ventilator eingeschaltet.

Dann sahen sie, wie sich plötzlich bei allen

so eine Art Feuerflammen auf die Köpfe setzte.

Und dann wurden alle total abgefüllt mit dem Heiligen Geist!

Einige fingen dabei an, in irgendeiner fremden Sprache zu reden,

einer Sprache, die ihnen der Heilige Geist einfach aufspielte.

Zu dem Fest waren gerade mega viele gläubige Juden aus der ganzen Welt

nach Jerusalem gekommen.

(AG 2, Volxbibel.com)


 

Liebe Gäste, liebe Mitarbeitende

Ganz herzlich darf ich Sie hier in der Hanro willkommen heissen –

mit ein paar besinnlichen Gedanken zur Einstimmung in diesen Tag.

 

Der Heilige Geist kommt nicht voraussetzungslos

Er ist angesagt, verheissen!

Nur kann sich niemand etwas darunter vorstellen.

Eine lange Geschichte geht voraus,

der Jünger mit ihrem Meister Jesus,

den sie als Christus, Messias Gottes, begreifen und bekennen.

Eine 1400 Jahre lange Geschichte der Befreiung, des Leidens,

des Standhaltens, Bewahrens und immer neu aufbrechen,

die durch die Geschichte Israels zurück bis ins Exil nach Aegypten führt.

 

Der Heilige Geist kommt nicht voraussetzungslos –

Fünfzig elend lange Tage haben die Jüngerinnen und Jünger

Nach dem Tod und der Auferstehungserfahrung in Jerusalem

ausgehalten –

Ein wenig wie zwischen Himmel und Erde

verharrt.

Zusammengehockt.

Sie haben geschwiegen.       Sie haben nachgedacht.

Sie haben getrauert.             Sie haben gehofft.

Und sie haben auch palavert.

Immer wieder, endlos,

dieselben drängenden Fragen:

über Gott und die Welt,

über ihr Wie weiter

nach dem abrupten unschönen Weggang des Meisters.

Ja, Sie haben geschwiegen. Sie haben gebetet.

Sie haben gepalavert.

 

 

Liebe Gäste

Bestimmt haben Sie es bemerkt –

Das war eine sehr unkonventionelle Bibelausgabe,

aus welcher ich den Pfingstbericht vorgelesen habe.

Sie ist weder theologisch noch philologisch abgesichert

noch auf der Höhe,

in vieler Hinsicht aufregend, anregend, uns Alten, Bibeltreuen ein Aergernis.

Aber:

Sie ist das spannende Produkt junger Christen aus Deutschland,

die im Internet gemeinsam eine Bibel neu schreiben –

in wirklich jugendgerechter,

heutiger Sprache verwirklichen –

in welcher auch Bilder, Gleichnisse und Geschichten umgedeutet

und in modernen Bildern und Ereignissen beschrieben,

erzählt werden.

(Rauschen des HG als Ventilator!)

Welcher urbane nicht nur junge Mensch kann heute noch

mit den vielen Bildern aus der Landwirtschaft vor 2000 Jahren

etwas anfangen?!

Das Spannendste: Diese Bibel wird laufend weitergeschrieben, ergänzt –

In endlosen Chats und Blogs im Netz wird palavert, diskutiert und

dann neu eingestellt:

Eine Bibel semper reformandum!

Ich finde: eine wertvolle Ergänzung neben den konventionellen

Uebersetzungen unserer Heiligen Schrift.

 

 

Wenn wir den heutigen Tag miteinander beginnen und begehen,

dann wünsche ich mir und uns allen,

etwas von der gespannten Ruhe,

der Geduld und der intensiven Debatte

der JüngerInnenschaft Jesu in diesen 50 Tagen

nach den ersten Ostern.

Ich wünsche mir und uns allen gleichzeitig den Mut und die Freiheit

dieser jungen Christen in Deutschland mit ihrer volxbibel.

Nämlich den ehrlichen und schonungslosen Blick ins Heute.

Wie soll das Wort Gottes heute zu den Menschen kommen

Und sie erreichen:

In welcher Gestalt die Kirche – als Vehikel der Verkündigung?!

 

 

Im Zentrum heute steht das Nachdenken, Mitreden und Mitwirken.

Ihr Nachdenken, Mitreden und Mitwirken!

An einer zukunftsorientierten Weiterentwicklung des Lebens unserer

Reformierten Kirche im Baselbiet,

vielleicht auch in überraschenden Bahnen!

Es geht dabei um die Entzündung des «Feu sacré» –

eines Heiligen Feuers

quer durch die Institutionen der reformierten Baselbieter Kirchenlandschaft,

in Behörden, Mitarbeitendenkreisen,

bei den Menschen in den Gemeinden.

Eines Feuers,

das nicht gerade pfingstliche Buss- und Wiedererweckungsbewegung

auslösen muss und wird,

aber doch Lust, Begeisterung und Tatkraft, Experimentierfreude schafft,

miteinander die uns allen liebe reformierte Kirche

neu zu denken und auszurichten.

Sie zu verändern, zu verwandeln und überzuführen.

Quer denken, frei handeln und neu glauben –

Das Motto auch des SEKs nach 500 Jahren reformiert sein.

 

Gesetzt ist und bleibt dabei die zeitlos ewige Frohe Botschaft

Unseres Herrn und Gottes Jesus Christus.

Ihr müsst unerschütterlich und unbeugsam am Glauben festhalten

und dürft euch nicht von der Hoffnung abbringen lassen,

die euch das Evangelium schenkt. (ZB)

Lasst euch dieses Vertrauen in ihn auf keinen Fall wieder wegnehmen!

Bleibt fest und geht keinen Zentimeter von dieser Hoffnung weg.

Ihr habt diese gute Nachricht überbracht bekommen,

und sie gilt. (volxbibel)

(Kol 1,23)

 

 Pfarrer Matthias Plattner, Kirchenrat